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Wissenschaft

Kreuzfahrtschiffe: Krankheitsherde auf hoher See

Kreuzfahrtschiffe bieten nicht nur Luxus und Erholung, sondern können auch ein Nährboden für Krankheiten sein. Die enge Kapselung der Passagiere birgt Gefahren.

vonJonas Richter11. Juni 20262 Min Lesezeit

Es ist ein sonniger Tag in der Karibik, das Meer glitzert verlockend und der Wind trägt den Duft nach Plastikstühlen und übermäßig süßen Cocktails. Ich stehe an der Reling eines riesigen Kreuzfahrtschiffes und beobachte die fröhlichen Urlauber, die in Badeanzügen durch die Lobbys schlendern. Ein perfektes Bild, möchte man meinen. Doch hinter dieser Fassade verbirgt sich ein eher düsteres Geheimnis.

Die schiere Größe und die Kapazität der modernen Kreuzfahrtschiffe bieten alles, was man für einen unbeschwerten Urlaub braucht: Restaurants, Bars, Schwimmbäder. Aber genau diese Enge ist ein ideales Umfeld für die Ausbreitung von Krankheiten. Man könnte sagen, diese schwimmenden Resorts sind wie kleine Städte auf dem Wasser, in denen man die Bewohner nicht nur unter den besten Bedingungen versorgen, sondern auch mit allerlei Viren und Bakterien infizieren kann. Ein feuchtes Klima, das den Schimmel fördert, und eine Vielzahl von Menschen aus unterschiedlichen Regionen der Welt erleichtern das Zusammentreffen von Krankheitserregern.

Der Ausbruch von Noroviren auf Kreuzfahrtschiffen ist mittlerweile eine bekannte und gefürchtete Realität. Es ist dieser wunderbare Virus, der sich mit der Geschicklichkeit eines erfahrenen Tänzers durch die engen, überfüllten Gänge schleicht, wo Urlauber ihren letzten Crêpe genießen oder sich in der Hotellobby um ein Bingo-Spiel versammeln. Wenn einer von ihnen den Virus ins Rampenlicht bringt, ist das Fest schnell vorbei. Die Titanic, die unter dem Eis versank, erscheint im Vergleich beinahe harmlos gegenüber einem Schiff, das mit erbrochener Pasta und fiebrigen Passagieren in den Hafen zurückkehrt.

Und es gibt noch mehr. Eine Untersuchung der Center for Disease Control and Prevention (CDC) zeigt, dass Kreuzfahrtschiffe auch Brutstätten für Atemwegserkrankungen sind. Vor allem Influenza kann sich blitzschnell verbreiten, wenn Passagiere in überfüllten Theatern oder beim Buffet aufeinanderhocken. Das laute Lachen und die fröhlichen Gesänge können schnell in Hustenanfälle und Tropfenübertragungen umschlagen. Man könnte sagen, dass die Urlauber hier nicht nur Reisende sind, sondern auch unwissende Träger von potenziell fatalen Viren.

Ich erinnere mich an die Anekdote eines Freundes, der einst eine Kreuzfahrt unternahm und bald darauf in Quarantäne geschickt wurde, nur weil er am falschen Ort zur falschen Zeit war. Unter dem Vorwand, eine „Gesundheitsüberprüfung“ durchführen zu müssen, wurden die Passagiere sorgsam gewarnt, sich nicht unnötig zu bewegen. Ein wahrhaft ironisches Bild: die Vorstellung von Urlaub, die sich in eine unfreiwillige Gefangenschaft verwandelt – die einzige Freiheit, die man hat, ist die Wahl zwischen Limonade und Wasser.

Als ich schließlich von der Reling zurücktrete und mich in den Schatten eines der Pooldeck-Sonnenschirme zurückziehe, frage ich mich, ob ich nicht besser eine andere Art von Urlaub gewählt hätte. Vielleicht einen Wanderausflug in die Berge, wo die einzige Gefahr der plötzliche Regenschauer und nicht der Norovirus ist. In dieser Hinsicht könnte man sagen, dass sich der echte Luxus nicht in der Größe der Kabine oder der Anzahl der Restaurants befindet, sondern in der Abwesenheit von Viren und Keimen. Wenn nur die Aussicht auf hohe See die einzige Herausforderung bleibt.

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